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Konfirmationspredigt am 14. März 2010 gehalten im Konfirmationsgottesdienst in der Waldenserkirche Neureut-Süd

von Pfarrer Heinemann

Christus spricht: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; Niemand kommt zum Vater außer durch mich.“  Johannes 14, 6

 

Liebe Konfirmandinnen, liebe Konfirmanden!

Damit gebe ich euch eine Orientierungshilfe mit auf euren Lebensweg.

„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Das ist wie ein Kompass für euer Leben.

Ich habe euch zwei Kompasse zum Ansehen mitgebracht. Schaut sie an. Gebt sie dann euren Nachbarn weiter – während ich rede.

Seht ihr: Der Ausspruch von Jesus ist wohl mit einem Kompass vergleichbar.

Er hat jedoch nichts mit einem modernen Navi zu tun, mit dem viele Leute heute ihre Autos ausrüsten. Ein Navi sagt dir: „Nach 200 Metern rechts.“ – „Nach 500 Metern links abbiegen.“ usw.

Du entscheidest als Autofahrer nicht mehr selber. Du orientierst dich als Autofahrer nicht mehr selber und denkst auch womöglich nicht mehr selber über die Richtung nach, die du einschlägst. Du verlässt dich darauf, dass du schon auf die richtige Weise zum Ziel geführt wirst.

Erst vor wenigen Tagen konnten wir in der Zeitung lesen, dass ein großer Truck mitten im Wald auf einem Waldweg stecken geblieben ist. Der Navi hat diesen Weg angegeben. Der Fahrer hat nicht mehr selber überlegt, ob es überhaupt sein kann, wie er da geleitet wird.

Genau so etwas will Jesus für euch auf gar keinen Fall sein.

„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Damit meint Jesus nie und nimmer: „Schalte dein Gehirn aus und verlasse dich blind auf mich.“

Zum Glauben gehört immer ein eingeschaltetes und waches Gehirn.

Jesus will keinen blinden Gehorsam. Er will, dass du dir deinen Glauben und dein Vertrauen zu ihm gut überlegst. Höre nie auf selbständig zu denken, weder beim Glauben, noch bei

anderen Dingen in deinem Leben. Was glaubt ihr, wie viele Leute euch was vormachen wollen, vor allem dann, wenn ihr volljährig seid. Was glaubt ihr, was euch eines Tages für Märchen erzählt werden, wenn es darum geht, an euer Geld zu kommen.

Denken ist immer gut.

Darum: Der Ausspruch von Jesus: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ – dieser Ausspruch ist wirklich am besten vergleichbar mit einem ganz altmodischen Kompass. Der Kompass zeigt dir nur: „Da ist Osten. Da ist Süden. Da ist Westen. Da ist Norden.“ Er zeigt dir die Himmelsrichtungen. Aber du musst selber entscheiden, welche Richtung im Gelände du nun einschlagen willst. Du musst dir selber ein Ziel vornehmen. Du musst selber wissen, wohin du willst. Du musst dich selber orientieren. Der Kompass ist zuerst mal ein Hilfsmittel.

Allerdings durchaus ein Hilfsmittel, das dir dein Leben retten kann.

Stell dir vor, du bist irgendwo in der Wüste. Du weißt beim besten Willen nicht, wo es weiter geht. Vielleicht bist du schon eine ganze Weile immer im Kreis gelaufen. Der Kompass zeigt dir in unbestechlicher Weise eine Richtung an. Wenn du deinem Kompass folgst, legst du einen geraden Weg zurück und findest den Weg aus der Wüste hinaus.

Heute, am Tag eurer Konfirmation steht ihr irgendwo im Gelände eures Lebens. Euer bisher zurückgelegter Lebensweg ist noch überschaubar. Ihr seid jung. Das ist gut. Denn damit stehen euch noch ganz viele Möglichkeiten offen. 

Heute könnt ihr euch dazu entschließen, euren Lebensweg Richtung Gott einzuschlagen. Dazu würde gehören, dass ihr fragt: „In welche Richtung muss ich gehen, um Jesus kennen zu lernen? Wohin muss ich mich wenden, damit er für mich Weg, Wahrheit und Leben wird? Wie soll ich mich verhalten, dass meine Lebensentscheidungen seiner Richtung entsprechen?“

Ich habe euch am vergangenen Mittwoch gefragt, wie ihr eure Konfirmation haben wollt. Ihr habt euch dafür entschieden, dass ihr nachher selber laut und deutlich „Ja!“ zu eurer Konfirmation, „Ja!“ zu eurer Taufe und „Ja!“ zu Gott sagt. Damit macht ihr bereits einen ersten Schritt in die richtige Richtung. Es könnte also sein, dass ihr heute Jesus als einen Kompass für euer Leben mitnehmt.

Sicher habt ihr es schon gemerkt:

Ich sage nicht: Also, jetzt glaubt mal an Gott!

Oder ich befehle euch nicht: Nehmt Jesus mit auf euren Weg!

Oder: Macht den Spruch – „Ich bin der Weg die Wahrheit und das Leben“ zu eurem Lebensmotto!

Wenn es um Gott geht, wenn es um den Glauben geht, kann ich euch nichts befehlen.

Ich kann euch nicht sagen: „Ihr müsst.“

Frau Stober kann das auch nicht. Anna und Melanie können das auch nicht tun.

Nicht, dass wir das nicht dürften. Es wäre uns nicht verboten.

Aber unser „ihr müsst“ würde euch gar nichts bringen. Gott und Jesus würden auch abwinken.

Wir vier konnten in den letzten Monaten bis heute nur eines tun:

Wir konnten, bildlich gesprochen, ein wenig Wegzeiger für euch sein und euch die Richtung zeigen, die wir für die Richtige halten. Bis hierher „14. März Waldenserkirche 10.00 Uhr“ sind wir mit euch gegangen.

Jetzt müsst ihr selber weiter gehen. Ihr müsst selbständig den Weg für euer Leben einschlagen.

Missversteht mich nicht! Natürlich sind wir, natürlich bin ich als euer Pfarrer, immer für euch zu sprechen, wenn ihr mit uns, mir reden wollt. Aber es gibt eben Wege, die ihr selber gehen müsst. Nun seid ihr selber groß genug und erwachsen genug. Einen Kompass, der euch die richtige Richtung anzeigt, haben wir euch an die Hand gegeben: So, in die Richtung geht es, wenn ihr ein Leben mit Jesus Christus führen wollt. Wir trauen euch zu, dass ihr selbständig den richtigen Weg eures Lebens findet, dass ihr euch selbständig im weiten Gelände eures Lebens zurechtfindet.

Vielleicht überlegt ihr jetzt:

Das klingt ja alles gut und schön. Trotz dem: wie packe ich die Sache mit dem Glauben an Gott jetzt eigentlich an?

Auch da müsst ihr euren eigenen Weg finden.

Ich habe mir damals als Konfirmand im Konfirmationsgottesdienst vorgenommen: So, jetzt will ich mich auf die Suche nach Gott machen. Ich fand es ziemlich interessant, was wir im Konfirmandenunterricht gehört hatten. Es hat mich berührt. Es hat mich mitgerissen. Mein Pfarrer hat seine Sache wirklich gut gemacht. – Ich gebe zu: Ich habe Gott nicht gefunden.

– Dafür hat er mich gefunden. Darüber bin ich wirklich glücklich.

Wieso sollte euch das nicht auch passieren? Hier traue ich Gott eine ganz Menge zu.

Und nun ist es so weit.

Wir schauen noch einmal die Rolle an. Jesus sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“

Auf dem aufgemalten Weg sehen wir eure Fußspuren. Unsere sind auch dabei. Am Ende sind ganz verschiedene Ziele genannt, die ihr heute ins Auge gefasst habt. Wir wünschen euch als zusätzliches Ziel: Gott möge euch auf euren Lebenswegen finden!

Er möge eurem Leben die richtige Richtung geben, so dass ihr zum Schluss sagt.

„Tatsächlich, ich habe es erlebt: In meinem Leben ist Jesus Weg, Wahrheit und Leben geworden.“

Amen.